Kaiserschnitt

Kaiserschnitt – was erwartet mich?

Lesedauer: 4 Min.

Fast jedes dritte Kind kommt in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Doch was passiert eigentlich dabei genau? Was erwartet dich und dein Baby? Wir haben zwei Experten (Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl und Dr. Christian Albring) gefragt.

Unser Experten-Rat zur Geburt mit Kaiserschnitt

Ungefähr ein Drittel aller Geburten in Deutschland finden per Kaiserschnitt statt. Dabei ist der geplante Kaiserschnitt immer noch die Ausnahme. Prof. Dr. Dimpfl und Dr. Albring erklären die häufigsten Gründe, erläutern das Vorgehen im Kreißsaal und verraten dir, wie lange der Eingriff dauert und wann die Mütter das Krankenhaus verlassen dürfen.

Wann wird ein Kaiserschnitt nötig?

Handelt es sich nicht um einen Wunschkaiserschnitt, wird eine Sectio (so die medizinische Bezeichnung für den Kaiserschnitt) nur dann vorgenommen, wenn eine natürliche Geburt nicht oder nur mit einem sehr hohen Risiko möglich ist. Von allen Kaiserschnitten werden aber nur 10 Prozent aus zwingenden medizinischen Gründen durchgeführt. Daneben gibt es weitere Gründe, bei denen Arzt, Hebamme und die Mutter abwägen, ob das Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommen soll:

Zwingende Gründe:

  • Placenta praevia: Die Plazenta versperrt den Muttermund
  • Plazentalösung: Die Plazenta löst sich zu früh von der Gebärmutter
  • Querlage des Babys, die nicht manuell behoben werden kann
  • Nabelschnurvorfall: Die Nabelschnur schiebt sich vor das Baby & wird durch sein Gewicht abgedrückt
  • Drohender oder bereits vorhandener Gebärmutterriss
  • Amnioninfektionssyndrom: Eihöhle, Eihäute, Plazenta oder das Baby leiden unter einer akuten Infektion
  • Eklampsie oder HELLP-Syndrom: schwere Gestose, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt

Unsere Experten erläutern die häufigsten Ursachen: „Befindet sich etwa der Mutterkuchen vor dem Ausgang der Gebärmutter, würde es bei einer normalen Geburt zu einer lebensgefährlichen Blutung für Mutter und Kind kommen“, erklärt Prof. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel. „Deshalb wird hier immer ein Kaiserschnitt vorgenommen.“ Liegt das Kind quer, wird zunächst eine äußere Wendung versucht. Gelingt es nicht, das Kind in die richtige Geburtsposition zu bringen, ist ein Kaiserschnitt notwendig. Auch bei der sogenannten Beckenendlage, wenn der Po anstatt des Köpfchens nach unten zeigt, wird vor allem bei Erstgebärenden meist ein Kaiserschnitt vorgenommen. Ein zu großes Baby oder eine Mehrlingsschwangerschaft können ebenfalls Gründe für einen Kaiserschnitt sein. „Außerdem ist ein Kaiserschnitt empfehlenswert, wenn die Mutter oder das Baby krank sind und die Strapaze einer natürlichen Geburt nicht gut überstehen würden“, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Wird ein Kaiserschnitt immer unter Vollnarkose durchgeführt?

Nein, in der Regel nutzt der Anästhesist eine Periduralanästhesie (PDA) oder Spinalanästhesie. Dadurch bist du zwar örtlich betäubt und hast keine Schmerzen, bekommst aber alles mit. Bei einem Notfall-Kaiserschnitt drängt die Zeit, weswegen meist eine Vollnarkose verabreicht wird.

Wann kommt es zum Notkaiserschnitt?

Es gibt Situationen, die während einer Geburt plötzlich und unerwartet einen Kaiserschnitt erforderlich machen. „Gibt es Anzeichen, dass es dem Kind schlecht geht und ist zugleich nicht abzusehen, dass es auf natürlichem Weg zeitnah kommt, macht man einen Kaiserschnitt“, sagt Prof. Dimpfl.

Wie läuft ein Kaiserschnitt im OP ab?

Im OP werden zunächst die EKG-Elektroden und eine Blutdruckmanschette zur Kreislaufüberwachung angelegt. In der Regel wird vor der Operation ein Katheter gelegt, damit die Blase leer bleibt. Dies ist durch die örtliche Betäubung meist schmerzlos. Damit du nichts von der Operation siehst, wird ein Sichtschutz gespannt. Nachdem der Anästhesist überprüft hat, dass die Betäubung auch wirkt, öffnet der operierende Arzt die Bauchdecke oberhalb des Schambeins und durchtrennt die unter der Haut liegenden Gewebe bis zur Gebärmutter. Jetzt kann er die Gebärmutter mit einem kleinen Schnitt öffnen und nimmt das Kind mit wenigen Handgriffen heraus. Nach dem Abnabeln übergibt er das Baby der Hebamme und löst die Plazenta aus der Gebärmutter durch die Bauchöffnung heraus. Anschließend verschließt er den Bauchschnitt sorgfältig Schicht für Schicht.

Wie lange dauert ein Kaiserschnitt?

Die Operation umfasst ungefähr eine Stunde. Die meiste Zeit nimmt vor allem das Nähen der Wunde in Anspruch, nachdem das Baby bereits geholt wurde.

Darf mein Partner bei der Operation dabei sein?

Ja! Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. In OP-Bekleidung sitzt dein Partner neben dir am Kopfende hinter dem Sichtschutz, damit ihr beide gemeinsam euer Baby in Empfang nehmen könnt.

Darf ich mein Baby nach der Kaiserschnitt-Geburt gleich im Arm halten?

Wenn es euch beiden gut geht und Hebamme und Arzt keine Probleme sehen, darfst du mit Hilfe deines Partners und der Schwestern in vielen Krankenhäusern dein Baby noch im OP vorsichtig auf deiner Brust halten. Nach der OP habt ihr im Kreißsaal Zeit, ausgiebig zu kuscheln. Möchtest du nach dem Kaiserschnitt stillen, ist das der perfekte Zeitpunkt, um es anzulegen. Sein erstes Saugen ist der Startschuss für deine Milchbildung. Falls es Komplikationen gibt und ihr nicht sofort zusammen sein könnt, wird dir von der Klinik deshalb eine Milchpumpe bereitgestellt, die das Saugen deines Babys imitiert, um die Milchbildung in Gang zu bringen. In den meisten Kliniken kommt dafür die Milchpumpe Medela Symphony zum Einsatz.

Wie wirkt sich ein Kaiserschnitt auf mein Kind aus?

„Früher dachte man, dass Kinder nach einem Kaiserschnitt einige gesundheitliche Risiken haben“, sagt Dr. Albring. „Das liegt daran, dass ein Kaiserschnitt früher meist deutlich vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt wurde, die Kinder also noch nicht vollständig reif waren für das Leben. Die wenigen Tage, die bis zur natürlichen Geburt fehlen, können im Einzelfall zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen.“

Manchmal wird auch vermutet, dass ein Kind den Stress der natürlichen Geburt für seine Psyche brauche. „Babys haben seelisch keinen Vorteil von einer der Entbindungsformen“, sagt Dr. Albring. „Wichtig ist, dass das Baby und seine Mutter die Geburt so gesund wie irgend möglich überstehen.“ Es wird auch vermutet, dass Babys den Kontakt mit den Vaginalkeimen der Mutter brauchen, mit denen sie während der natürlichen Geburt in Berührung kommen. Deshalb gibt es heute Überlegungen, nach einem Kaiserschnitt die Haut des Babys mit speziellen Bakterienkulturen in Kontakt zu bringen. Ergebnisse zu diesen Untersuchungen stehen noch aus.

Wie lange muss ich danach im Krankenhaus bleiben?

Nach dem Kaiserschnitt wirst du etwa eine Stunde im Kreißsaal überwacht. Dein Baby ist in dieser Phase die gesamte Zeit bei dir. Die meisten Frauen bleiben anschließend noch drei bis vier Tage in der Klinik.

Welche Risiken sind mit dem Kaiserschnitt verbunden?

„Ein Kaiserschnitt hat keine größeren Risiken als eine natürliche Geburt“, sagt Dr. Albring. Die Erholungszeit ist allerdings bedeutend länger. Die Narbe kann über Wochen wehtun, und sie sollte auf keinen Fall belastet werden, solange sie noch schmerzt. Das bedeutet, das Kind nicht zu heben, zu tragen, vorsichtig zu sein beim Aufstehen und beim Hinsetzen.

Kann ich nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Kind trotzdem normal entbinden?

Viele Ärzte sind da vorsichtig. „Das kann versucht werden“, sagt Dr. Albring, „wobei in der überwiegenden Zahl der Schwangerschaften auch beim nächsten Mal ein Kaiserschnitt erfolgen wird.“ Am besten, du besprichst es in aller Ruhe mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

(Anm. d. Redaktion: Wie wahrscheinlich eine normale Geburt nach einem Kaiserschnitt ist, erfährst du hier).


Experten:

Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel, ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

*Stand Mai 2017.

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