Pränataldiagnostik Erfahrung

Schwangerschaft

Pränataldiagnostik: „Ich wollte dieses Kind, ohne wenn und aber“

Lesedauer: 2 Min.

Welche Konsequenzen zieht man aus einer Wahrscheinlichkeitsrechnung? Katja Niedermeier musste nach der ersten Pränataldiagnostik mit ihrem Mann diese Frage beantworten. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

„Als ich mit 37 schwanger wurde, wusste ich: Das ist vielleicht meine letzte Chance, schwanger zu werden. Zwei Jahre zuvor hatte ich eine Fehlgeburt. In der zwölften Woche hatte ich unser Baby verloren. Ein Schicksalsschlag, der unglaublich schmerzhaft war. Jetzt war ich wieder schwanger und so erleichtert, dass ich die kritischen ersten zwölf Wochen gut überstanden hatte.

„Ich ging davon aus, dass alles in Ordnung ist“

Routinemäßig ließ ich das vom Frauenarzt empfohlene Ersttrimester-Screening vornehmen. Groß darüber nachgedacht hatte ich ehrlich gesagt nicht. Mir ging es ja gut und ich ging wie wahrscheinlich die meisten Frauen davon aus, dass auch bei meinem Baby alles in Ordnung ist. Leider kam es anders. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Baby mit dem Down-Syndrom zur Welt kommt, betrug 1:36. Allerdings war das Ultraschall im Gegensatz dazu völlig normal. Es gab keinerlei Anzeichen, dass unserem Baby irgendetwas fehlte. Trotzdem drängte mich die Ärztin zur Fruchtwasseruntersuchung – auch, weil ein Kind mit Down-Syndrom ihrer Meinung nach nicht mit meinem Job vereinbar wäre.

„Eine Abtreibung wäre nicht infrage gekommen“

Mein Mann Beppo und ich sind beide Biologen und arbeiten als Filmemacher und Fotografen, oft sind wir wochenlang unterwegs und reisen quer durch die Welt. Ein Traumjob, der aber natürlich schwer mit einem normalen Familienleben vereinbar ist – egal, ob das Kind nun gesund oder krank ist. Das war für mich kein Argument. Außerdem wollte ich dieses Kind, ohne wenn und aber. Auch Beppo war gegen die Fruchtwasseruntersuchung. Immerhin besteht dabei auch das Risiko einer Fehlgeburt. Selbst wenn herausgekommen wäre, dass unser Baby das Down-Syndrom hat: Eine Abtreibung wäre nicht infrage gekommen.

„Natürlich ist so eine Diagnose ein Schock“

Als ich unseren Flo dann endlich nach der Geburt in den Armen hielt, war ich überglücklich. Wie süß er doch aussah! Zunächst schien auch alles in Ordnung zu sein. Doch in der ersten Nacht würgte er immer wieder, bekam schlecht Luft und röchelte so seltsam, dass der Kinderarzt beschloss, ihn auf die Intensivstation zu verlegen. Am nächsten Tag dann der Schock: Verdacht auf Down-Syndrom! Die Ärzte machten einen Gentest. Nach fünf Tagen des Hoffens und Bangens bekamen wir endlich das Ergebnis: Down-Syndrom. Natürlich ist so eine Diagnose ein Schock. Im ersten Moment zieht es einem den Boden unter den Füßen weg.  Und natürlich ist auch heute, knapp sechs Jahre später, das Leben mit einem Kind, das mit dem Down-Syndrom geboren wurde, nicht immer ein Zuckerschlecken. Trotzdem bin ich froh, dass ich mich damals gegen die Fruchtwasseruntersuchung entschieden habe: An unserer Entscheidung für Flo hätte selbst die Diagnose Down-Syndrom nichts geändert. Und so hatte ich zumindest eine unbeschwerte und wunderschöne Schwangerschaft.

Katja Niedermeier

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