Vorfreude & Vorbereitung

Crashkurs Elternzeit und Elterngeld: Das Wichtigste im Überblick

Lesedauer: 5 Min.

Babys bringen lästigen Papierkram mit sich! Doch wenn du finanzielle Unterstützung vom Staat möchtest, musst du dich rechtzeitig darum kümmern. Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die als finanzielle Hilfe zur Betreuung des eigenen Kindes nach der Geburt dient. Ziel ist es, die Einkommenslücke nach der Geburt zu schließen, um das Neugeborene selbst betreuen zu können.

Elterngeld und Elterngeld plus sind eine tolle Sache, keine Frage. Aber auch ein komplexes Thema, weil die Wahlmöglichkeiten schier unendlich sind. Ihr solltet euch deshalb gut und rechtzeitig vor der Geburt überlegen, wie ihr Beruf und Betreuung aufteilen wollt und ob ihr Basis-Elterngeld, Elterngeld plus oder eine Kombination aus beiden in Anspruch nehmen wollt.

Elterngeld ist jetzt Basis-Elterngeld

Nach wie vor gibt es das Elterngeld, das jetzt Basis-Elterngeld heißt. Es wird während der ersten 14 Monate im Leben des Kindes gezahlt. Wie ihr euch das aufteilt, ist eigentlich egal, aber mindestens zwei Monate sind für den anderen Partner vorgesehen (Partnermonate). Der Anspruch auf Elterngeld besteht, egal ob man vorher gearbeitet hat oder nicht.

Ihr könnt also beispielsweise sieben plus sieben, vier plus zehn oder zwölf plus zwei Monate nehmen. Ist das nicht möglich – also wenn dein Mann zum Beispiel nicht zwei Monate Elternzeit nehmen kann – bekommst du „nur“ deine zwölf Monate. Alleinerziehende erhalten ebenfalls 14 Monate Elterngeld.

Basis-Elterngeld  ist vor allem für diejenigen gedacht, die zeitweise ganz aus dem Beruf aussteigen wollen.

Du kannst aber bis zu 30 Wochenstunden Teilzeit arbeiten. Bedenke aber, dass jedes Einkommen auf das Elterngeld angerechnet wird. Die meisten Teilzeitjobber entscheiden sich fürs Elterngeld plus.

Beim Elterngeld plus gibt’s länger Geld

Das ist die Quintessenz des neuen Elterngeld plus: Doppelt so lang aber nur halb so hoch. Im Prinzip wird die Elterngeldzeit auf 28 Monate verdoppelt, aber nur die Hälfte des Betrags gezahlt.

Das Angebot lohnt sich vor allem für diejenigen, die Teilzeit arbeiten möchten.

Ihr könnt sogar 36 Monate lang Elterngeld beziehen, wenn beide gleichzeitig in vier aufeinanderfolgenden Monaten zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten. Zu den 28 Monaten Elterngeld kommt nämlich noch ein Partnerschaftsbonus von jeweils vier Monaten für dich und deinen Mann.

Alles ist kombinierbar

Ihr könnt Basis-Elterngeld, Elterngeld plus und Partnerschaftsbonus frei kombinieren. Wer die Wahl hat, hat aber auch die Qual: Klärt möglichst frühzeitig untereinander und mit eurem Arbeitgeber, wer wann frei nimmt oder arbeiten geht.

Wie viel Geld gibt es?

Der Staat zahlt zwischen mindestens 300 und maximal 1800 Euro. Es gibt 65 bzw. 67 Prozent vom bereinigten Nettolohn der letzten zwölf Monate vor der Geburt. Tipp: In manchen Fällen lohnt es sich, die Steuerklasse rechtzeitig zu wechseln, da dann das Nettoeinkommen steigt. Am besten den Steuerberater fragen!

Das Elterngeld wird mit dem Mutterschaftsgeld nach der Geburt verrechnet, du kriegst also nicht doppelt Geld vom Staat. Damit es hinterher keine böse Überraschung beim Steuerbescheid gibt, solltest du wissen, dass das Elterngeld im Prinzip zwar steuerfrei ist. Aber wenn du und dein Mann gemeinsam veranlagt seid, wird es eurem zu versteuernden Einkommen dazugerechnet.

Wer hat Anspruch?

Anspruch auf Elterngeld hat in der Regel jedes Elternteil: Arbeiter und Angestellte ebenso wie Beamte oder Selbstständige, die nach der Geburt ihres Kindes von der Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise pausieren, um sich der Kinderbetreuung zu widmen. Auch Hausfrauen oder -männer und Studenten oder Studentinnen erhalten Geld, und zwar den Mindestsatz von 300 Euro. Nur Paare, deren Einkommen über 500.000 Euro im Jahr liegt, gehen leer aus (bei Alleinerziehenden mehr als 250.000 Euro).

Anspruch besteht, wenn du…

  • deine Kinder nach der Geburt selbst betreust und erziehst
  • nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig bist
  • mit deinen Kindern in einem Haushalt lebst
  • deinen Wohnsitz in Deutschland hast

Wann soll ich Elterngeld beantragen?

Der Antrag kann ab dem Tag der Geburt gestellt werden. Du hast drei Monate Zeit, um ihn einzureichen. Schaffst du das in diesem Zeitraum, bekommst du die Wochen nachgezahlt. Wenn nicht, verschenkst du Geld. Denn es wird nur drei Monate rückwirkend gezahlt!

Wo beantragen?

Du kannst den schriftlichen Antrag bei der Elterngeldstelle einreichen. Es gibt allerdings keine zentrale Adresse, sondern jedes Bundesland hat andere zuständige Stellen und andere Antragsformulare. Im Internet kannst du auf der Webseite des Familienministeriums www.familien-wegweiser.de nachschauen, wo die für deine Postleitzahl zuständige Elterngeldstelle sitzt und du kannst dir auch den Antrag  downloaden. Alle Informationen über die benötigten Bescheinigungen haben wir für dich im Blog-Beitrag Checkliste zum Elterngeld-Antrag zusammengestellt.

Der Antrag auf Elterngeld kann bis zum Ende des Elterngeldbezugs geändert werden – allerdings nur für die Zukunft, nicht rückwirkend. Beim Elterngeld Plus können die Monate jedoch auch rückwirkend in Basiselterngeld-Monate umgewandelt werden.

Was ist Elternzeit?

Sie ist eine unbezahlte Auszeit vom Berufsleben für Eltern, die ihr Kind selbst betreuen und erziehen möchten. Als Arbeitnehmer/in kannst du Elternzeit pro Kind bis zu 3 Jahre nehmen. In dieser Zeit musst du nicht arbeiten und erhältst keinen Lohn (zum Ausgleich kannst du deshalb das Elterngeld beantragen – siehe oben).

Die Elternzeit kannst du vor dem 3. Geburtstag deines Kindes nehmen, einen Teil davon kannst du aber auch zwischen dem dritten und achten Geburtstag deines Kindes nehmen. Sprich: du kannst sie dann nehmen, wenn ihr sie am dringendsten benötigt.

Während der Elternzeit bist du auf besondere Weise vor Kündigungen geschützt und kannst in der Regel auf deinen alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Wo und wann muss Elternzeit beantragt werden?

Die Elternzeit beantragt ihr bei eurem Arbeitgeber, dieser muss spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit vorliegen. In der Regel gilt für Mütter bis acht Wochen nach der Geburt der Mutterschutz – die Elternzeit beginnt daher erst nach dem Mutterschutz. Das heißt aber auch, dass Mütter ihren Antrag auf Elternzeit bis spätestens eine Woche nach der Geburt bei ihrem Arbeitgeber einreichen müssen. Wollen Väter unmittelbar nach der Geburt Elternzeit nehmen, heißt das für sie, dass sie den Antrag spätestens sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin einreichen müssen.

Der Mutterschutz ist so geregelt, dass eine Mama im Angestelltenverhältnis in den letzten sechs Wochen vor und in den acht Wochen nach der Entbindung einem Beschäftigungsverbot unterliegt (bei Mehrlingen gelten längere Fristen). Während dieser Zeit kann die Mutter finanzielle Leistungen in Anspruch nehmen (Mutterschaftsgeld der Krankenkassen, Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld, Mutterschutzlohn) – aber Achtung: diese werden mit dem Elterngeld verrechnet!

Wer kann Elternzeit nehmen?

Elternzeit kann jeder Elternteil nehmen, unabhängig davon, ob der andere Elternteil ebenfalls Elternzeit beansprucht.

  • Du bist Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer
  • Du lebst mit deinem Kind in einem gemeinsamen Haushalt
  • Du betreust und erziehst dein Kind selbst
  • Während der Elternzeit arbeitest du entweder gar nicht oder max. 30 Stunden pro Woche

Antrag auf Elternzeit

Du musst dem Arbeitgeber einen schriftlichen Antrag stellen, am besten mit einem Briefkopf mit den Absenderangaben, eine Anrede sowie den Zeitraum mit den genauem Datum, von wann bis wann du Elternzeit nehmen möchtest. Um sicher zu sein, dass der Arbeitgeber deinen Antrag erhalten hat, kannst du ihn auch um eine Empfangsbestätigung bitten. Übrigens kann der Arbeitgeber deinen Antrag nicht ablehnen: der Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit.

Wie lange können Arbeitnehmer Elternzeit nehmen?

Du kannst pro Kind bis zu 3 Jahre Elternzeit nehmen. Ab dem dritten Geburtstag deines Kindes kannst du jedoch maximal 24 Monate Elternzeit nehmen.

Das bedeutet: Elternzeit und Mutterschutz nach der Geburt betragen zusammen 3 Jahre. Wenn du die Elternzeit direkt im Anschluss an den Mutterschutz beginnst, kannst du also in Elternzeit bleiben bis zum Tag vor dem dritten Geburtstag deines Kindes. Ohne Mutterschutz – zum Beispiel als Vater – kannst du ab der Geburt ebenfalls bis zu diesem Tag in Elternzeit bleiben.

TIPP: Wenn du nach der Geburt in Mutterschutz bist, solltest du die Elternzeit erst nach dem Mutterschutz beginnen, sonst steht dir vielleicht der Arbeitgeber-Zuschuss zum Mutterschaftsgeld nicht zu.

Alle Informationen rund um Elterngeld und Elternzeit bekommt ihr auch beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Für welche Variante des Elterngelds habt ihr euch entschieden? Schreib’ uns unter kundenservice@medela.de oder in unserer Medela Deutschland Facebook-Community.

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