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Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft?

Lesedauer: 3 Min.

Seit Schwangere von der Industrie als kaufkräftige Zielgruppe entdeckt wurden, wächst das Angebot an Nahrungsergänzungsmittel wie speziellen Vitamin- und Mineralstoffprodukten für Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch. Doch viele Nahrungsergänzungsmittel sind nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht sinnvoll. Oft sind sie überdosiert und / oder enthalten Stoffe wie Eisen, die Schwangere nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen sollten. Welche Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft empfohlen werden, erfährst du bei uns!

Wie hoch ist der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft?

Der Bedarf an bestimmten Nährstoffen einer Schwangeren ist besonders hoch und steigt im Verlauf der Schwangerschaft an – im Gegensatz zum Energiebedarf, der während der Schwangerschaft relativ konstant bleibt und erst gegen Ende etwas zunimmt. Vor allem Folsäure und Jod werden in der Schwangerschaft vermehrt benötigt. Der erhöhte Tagesbedarf an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen sollte natürlich gedeckt sein. Ist dies nicht über eine ausgewogene, bewusste Ernährung möglich, sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll.

Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft: Diese Nahrungsergänzungsmittel sind wichtig

Folsäure und Jod in der Schwangerschaft

Wirklich wichtig in der Schwangerschaft sind nur Folsäure und Jod. Bei diesem Vitamin und diesem Spurenelement kann der Bedarf nicht über die normale Ernährung abgedeckt werden.

Jod

Jodmangel kann das Risiko für Fehlgeburten und -bildungen erhöhen. Bei Schwangeren steigt der Bedarf um 20 Prozent, daher gilt: täglich 100 bis 150 Mikrogramm (µg) Jodid über hochwertige und ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel zuführen.

Folsäure

Folsäure solltest du unbedingt in der Schwangerschaft zusätzlich einnehmen. Bist du schwanger, steigt dein Bedarf an Folsäure auf 600 µg täglich. Folsäure beugt Fehlbildungen beim Baby vor. Beispielsweise wird es zur Schließung des Neuralrohrs, der embryonalen Anlage des Zentralnervensystems, ab der dritten Lebenswoche benötigt. Ein Folsäuremangel kann einen Neuralrohrdefekt beim Kind zur Folge haben wie z. B. einen offenen Rücken (spina bifida), eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen, schon mindestens vier Wochen vor einer möglichen Schwangerschaft täglich 400 µg Folsäure über hochwertige Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Denn das Vitamin spielt früh im Entwicklungsstadium des Embryos eine Rolle, in der Regel noch ehe du merkst, dass du schwanger bist.

Umstrittene Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft: Eisen und Omega-3-Fettsäure

Auch wenn Schwangere oft einen erhöhten Eisenbedarf haben, sollte er nur nach ärztlicher Rücksprache über spezielle Nahrungsergänzungsmittel abgedeckt werden. Oft wird auch zu einer Aufnahme von 200 mg Omega-3-Fettsäuren wie z. B. Docosahexaensäure (DHA) pro Tag geraten. Wenn du keinen Fisch magst oder dich gar vegetarisch ernährst, ist das eine Option. Wertvoller ist es, zweimal pro Woche fetten Meeresfisch (wegen möglicher Schwermetallbelastung aber nicht öfters) zu essen – dann bist du optimal mit Omega-3-Fettsäuren versorgt. Aber Achtung: Rohen Fisch vom Speiseplan streichen!

Was ist mit Vitaminen, Magnesium & Co?

Alle anderen Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe wie beispielsweise Magnesium, Vitamin D oder Vitamin B12 müssen nicht durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden, wenn du dich ausgewogen ernährst. Verwende gezielt Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Fisch. In unserem Ratgeber zeigen wir dir, wie eine optimale Ernährung in der Schwangerschaft aussieht.

Spezielle Nahrungsergänzungsmittel können bei dir jedoch nötig sein, wenn du häufig in Kantinen isst, spezielle Diäten z. B. aufgrund einer Unverträglichkeit einhalten musst, dich auch in der Schwangerschaft vegetarisch oder vegan ernährst oder unter Verdauungsstörungen leidest.

Unser Tipp: Möchtest du wissen, ob ein Nahrungsergänzungsmittel für dich empfehlenswert ist, frage zuerst deinen Arzt. Er weiß, welches Kombi-Präparat für dich sinnvoll ist.

Was muss ich beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere beachten?

Auch wenn die Drogeriemärkte voll davon sind: Greife nie zum nächstbesten Produkt. Selbstmedikation – ob mit Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamenten – ist in der Schwangerschaft fehl am Platz! Lass dich von deinem Arzt beraten, welches Nahrungsergänzungsmittel für dich am besten ist.

Nimm niemals Präparate unklarer Herkunft (beispielsweise aus dem Internet) ein und beziehe deine Nahrungsergänzung lieber aus der Apotheke deines Vertrauens.

Nicht nur Nahrungsergänzung: Gehe auch mit Medikamenten auf Nummer sicher

Mit Medikamenten in der Schwangerschaft ist es ähnlich wie beim Essen und Trinken. Von allen Wirkstoffen, die du in deiner Schwangerschaft einnimmst, inhalierst oder spritzt, bekommt auch dein Baby etwas ab. Für dein Ungeborenes ist es deshalb am sichersten, wenn du in der Schwangerschaft Tabletten, Tropfen & Co. außen vor lässt. Leidest du an einer chronischen Krankheit wie Diabetes oder Bluthochdruck, solltest du dich von deinem Arzt oder deiner Hebamme beraten lassen, welche Medikamente für dich während der Schwangerschaft in Frage kommen.

Unsere Tipps:

Egal ob verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Medikamente aus dem Drogeriemarkt – nimm nichts ein, ohne vorher mit deinem Frauenarzt, deiner Hebamme oder deiner Stillberaterin darüber gesprochen zu haben.

Versuche kleine Alltagsbeschwerden wie eine verstopfte Nase oder Verdauungsprobleme ohne Arzneimittel zu behandeln. Hier können bereits ein Kamillendampfbad oder ein ausgiebiger Spaziergang helfen.

Weitere Informationen zur Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft erhältst du auch bei der Beratungsstelle für Arzneimittelsicherheit der Charité Berlin oder unter https://www.embryotox.de/.

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