Babys erstes Jahr

Gadgets statt Ärger: 10 Lifehacks für den Alltag mit Zwillingen

Lesedauer: 5 Min.

Stillen nach Bedarf? Versorgen nach Plan! Als Zwillingsmama lernte die Bloggerin Frollein Doctor ganz schnell ihre eigenen Regeln aufzustellen. Ihre 10 besten Lifehacks für den Alltag mit Zwillingen

Schon über ein Jahr lebe ich in meiner neuen Rolle: Zwillingsmama. Ein 24/7-Job. Ein täglicher Marathon. Trotzdem die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann. Schon über ein Jahr höre ich so gut wie täglich mindestens einmal die Frage von einem mal mehr, mal weniger Fremden: „Na das ist aber anstrengend?“. Anfangs wusste ich nie, was ich erwidern sollte. Was möchte der Gegenüber hören? Dass ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehe? Dass ich ein Kind gerne verschenken würde? Dass zwei Säuglinge mit links zu stemmen sind? Nach kurzer Zeit habe ich mir eine einfache Standardantwort angewöhnt: „Ich kenn es nicht anders“. Vollkommen erst gemeint und unverfänglich. Doch was würde ich anderen Schwangeren oder frischgebackenen Zwillingseltern mit auf den Weg geben? Die folgenden zehn Dinge habe die ich im letzten Jahr gelernt habe und wir hier zu Hause kommen ganz gut damit zurecht. Ein paar davon quittieren babyerfahrene Mütter, die aber oft nur mit einem Einling (eins der Lieblingswörter einer Zwillingsmutter) zu tun haben, mit einem leichten Stirnrunzeln.

Aber – sie kennen es ja auch nicht anders…

1) Versorgung nach Plan, nicht nach Bedarf!

Immer heißt es: Füttert das Baby nach Bedarf! Es weiß, was und wann es etwas braucht. Schön, aber was bedeutet das in der Praxis?! Uns hat es geholfen, dass es einen festen Stillrhythmus gibt. Wenn ein Baby früher hungrig wurde, wurde selbstverständlich früher gegessen. Der zweite musste mitziehen, sobald sich der erste meldete. Fand keiner schlimm. In harten, unruhigen Nächten haben wir sogar manchmal den zweiten zum Tandemstillen geweckt. Für Mamas Schlafkonto war das die Rettung.

2) Routinen und Struktur!

Vielleicht liegt es auch eher an meiner Persönlichkeit als am Doppelpack. Trotzdem würde ich allen Zwillingseltern pauschal dazu raten, einen guten Rhythmus in den Alltag zu bringen. So behält man besser den Überblick und vergisst nichts: Medikamente, Wickeln, Mahlzeiten, Wäschewechsel, Nägelschneiden…jeden Tag aufs Neue ins Hamsterrad einsteigen. Alternativ kann man natürlich auch Listen führen. Manchmal hilft es, immer ein kleines bisschen Vorauszudenken: Was passiert als nächstes? An was muss ich dabei denken? Das spart unnötige Transportwege und damit Kraft und auch etwas Zeit. Manche Punkte müssen einfach abgearbeitet werden, auch wenn ein anderes Bedürfnis, zum Beispiel eine volle Windel, dann mal fünf Minuten warten muss… Aber trotz aller Planung muss man sehr flexibel bleiben. Denn die Kinder machen uns häufig einen Strich durch die Rechnung.

3) Synchronisierung des Schlafes

Eine weitere beliebte Zwillingsmama-Vokabel ist „Schlafsynchronisierung“. Es gibt nichts Anstrengenderes als Zwillinge, die tagsüber Schlaf-Ping-Pong spielen. Der eine schläft ein, der andere wacht auf. Die kurze Verschnaufpause oder Zeit für den Haushalt der Mama entfällt. Deshalb sollte man alles daran setzen, damit die Babys möglichst gleichzeitig schlafen. Uns hat dabei eine Zwillingsfederwiege treue Dienste geleistet. Natürlich ist das Schlafbedürfnis von jedem Baby individuell. Das eine schläft mehr, das andere weniger. Aber wenn sie zumindest zusammen einschlafen, macht es das Leben angenehmer.

4) Tandemstillen

Wann immer es möglich ist, sollten Zwillinge zusammen gestillt werden. Das Anlegen ist für alle wirklich Übungssache und klappt schnell wie von selbst. Es hat so viele Vorteile: eine große Zeitersparnis im Alltag, als Mama bekommt man problemlos mit der Wunderwaffe beide Kinder gleichzeitig versorgt und was ich am wichtigsten finde – die besondere Bindung, von der beim Stillen immer alle reden, baut sich nicht nur zwischen Mutter und Kind auf, sondern zwischen Mutter, Kind und Kind. Die beiden lernen von Anfang an zu teilen und die Nähe des anderen als selbstverständlich zu empfinden.

5) Gute Babygadgets, statt Ärger im Alltag

Bei den langen Listen und gepfefferten Preisen für die Erstausstattung fragt man sich ja schon, ob man das alles wirklich für den kurzen Lebensabschnitt braucht. Und dann noch in zweifacher Ausführung?! Der Alltag mit zwei Säuglingen ist allerdings wirklich fordernd und man ist um jede Erleichterung dankbar. Ohne Laufstall neben der Tür wüsste ich nicht, wie ich uns zu dritt mal eben aus der Wohnung befördern würde. Ohne Tragen hätten wir nicht zu viert mit unserem ganzen Gepäck in den Urlaub fliegen können. Ohne die Babyschalen der Hochstühle hätte ich ganz schön viele Mahlzeiten verpasst. Das gute ist, dass man viele Dinge gebraucht bekommt und auch das meiste für einen guten Preis weiterverkaufen kann.

6) Der Zwillings-Babyrollator

Wer zwei Kinder gleichzeitig bei den ersten Gehversuchen unterstützen muss, sollte sich an einige blaue Flecken und Beulen gewöhnen – und kreativ werden. Denn vier Arme und mehrere Leben fürs eigene Kreuz hat man nun mal nicht. Uns treu assistiert hat ein Stuhl oder Hocker. Filzgleiter drunter – und los geht’s. Mama gibt in bequemer Haltung die Richtung und das Tempo vor, die Zwillinge schieben und tapsen gemeinsam hinterher.

7) Alles geht, wenn man sich nur traut

Unternehmungen sind anstrengend. Egal ob mit Babys in der Überzahl oder mit Betreuungspersonen im ausgeglichenen Verhältnis. Deshalb ist die Überwindung dazu anfangs groß und man bleibt lieber zu Hause. Aber dort ist es fast genauso anstrengend. Und wenn man sich dann einmal traut, ist eine Unternehmung gar nicht so schlimm. Man bekommt eigentlich immer Hilfe angeboten, wenn man sie wirklich benötigt. Sei es der Babykurs, der Wocheneinkauf mit Zwillingswagen und vollbeladenem Einkaufswagen, eine große Hochzeitsfeier oder der erste Flug. Auch Spielplatzbesuche zu dritt enden nicht zwingend im Krankenhaus.

8) Nachtschlaf und Einschlafbegleitung

Das Thema Schlaf ist im Elternkosmos sehr wichtig, weil Schlafmangel an den Nerven zerrt. Aber es gibt einfach kein Patentrezept für ruhige Nächte. Was sich bei uns in den ersten Wochen bewährt hat, ist ein zum Beistellbett umfunktioniertes Gitterbett. Somit rate ich beim Möbelkauf darauf zu achten, dass eine Gitterseite komplett herausnehmbar ist, nicht nur drei Stangen. Die Zwillinge wurden bei uns quer nebeneinandergelegt. Als sie dafür fast zu groß wurden, haben sie angefangen, sich gegenseitig wach zu klopfen. So wurde es dann Zeit für die Trennung. Das Schlafzimmer wurde zu einer Bettenhöhle, weil auch noch das zweite Babybett eingezogen ist. Mittlerweile schlafen sie zusammen, jeder in seinem Bett, im eigenen Zimmer. Für das Einschlafritual, das wir schon nach wenigen Wochen etabliert haben, war uns wichtig, dass es mit einem Erwachsenen für beide Kinder gleichzeitig funktioniert und nicht beide Elternteile eingebunden sind.

9) Kontakt zu anderen Mehrlingseltern!

Als Eltern wird man zu einer eingeschweißten Gemeinschaft. Es gibt viele Erfahrungen, die verbinden und man freundet sich mit Menschen an, die man vor den Kindern noch nicht einmal wahrgenommen hätte. Trotzdem fühlt man sich als Mehrlingseltern ein bisschen wie die Kolibris. In die Herausforderungen, die zwei Babys mit sich bringen, können sich am besten diejenigen hineinversetzen, die auch tatsächlich zwei Babys haben/ hatten. Deshalb hilft es enorm, wenn man sich mit anderen Mehrlingseltern austauscht. In Foren, auf Blogs, in den sozialen Medien oder im wahren Leben. Einige Familienzentren bieten Zwillingsspielgruppen an. Manchmal vermittelt sogar der Frauen- oder Kinderarzt. Und gar nicht so selten läuft man in der Nachbarschaft zufällig in einen breiten Mehrlingskinderwagen. Denn eigentlich wimmelt es nur so von Zwillingen…

10) Dickes Fell!

Wir waren wirklich noch kein einziges Mal einkaufen, ohne von mindestens einem Rentner angesprochen worden zu sein. Manchmal gibt es ganz skurrile Gespräche und indiskrete Fragen, manchmal schöne Geschichten. Von den ganzen neugierigen Blicken will ich gar nicht erst anfangen. Mein Mantra: Nicht ärgern und immer höflich bleiben. Zwillinge sind etwas Besonderes und wecken die allgemeine Neugierde. Nur Wenigsten haben eine böse Absicht, wenn sie in die Komfortzone eindringen. Deswegen nett bleiben, auch wenn man gerade einen doofen Tag hat. Schon 100 Mal habe ich beantwortet, dass das ZwillingsPÄRCHEN nicht eineiig ist. Allerdings kam es auch schon vor, dass fremde Damen und Herren in den Kinderwagen gefasst haben. Für mich ein No-Go, bei dem ich dann auch bissig wurde.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Erfahrungen ein paar Anregungen geben, vor allem aber Ängste und Fragen nehmen. Wenn du noch mehr aus unserem Alltag, lesen möchtest, heiße ich dich herzlich auf meiner Seite www.milchundmehr.de willkommen!

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