Babys erstes Jahr

Beikoststart: Wann kann ich mit Beikost anfangen?

Lesedauer: 4 Min.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den ersten Brei? Zum Thema Beikoststart gibt es viele Meinungen. Hier kommen die Fakten, wann du mit Beikost anfangen kannst. Die WHO empfiehlt in den ersten sechs Monaten ausschließich zu stillen. Muttermilch enthält alles, was dein Baby für seine gesunde Entwicklung braucht. Außerdem ist die Mundmotorik deines Babys anfangs nur aufs Stillen ausgelegt. Ab dem sechsten Monat kannst du  parallel zum Stillen beginnen Beikost einzuführen, wenn dein Baby entsprechende Reifezeichen zeigt.. Für den Beikoststart eigenen sich besonders Gemüsebreis. Ob dein Baby für die Beikost bereit ist, merkst du zunächst an den sogenannten Reifezeichen: Dein Baby kann (mit wenig Unterstützung) aufrecht sitzen, es interessiert sich für euer Essen und öffnet bereitwillig den Mund, wenn das Löffelchen kommt – und schiebt die Nahrung auch nicht mit der Zunge aus dem Mund heraus.

Wann der richtige Zeitpunkt für das erste Löffelchen Brei gekommen ist, darüber gehen die Meinungen dennoch nicht nur unter Müttern auseinander. Das Projekt „Gesund ins Leben -­ Netzwerk Junge Familie“, zu dem u. a. Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung gehören, rät zur schrittweisen Einführung von Beikost frühestens ab Beginn des 5. Monats und spätestens zu Beginn des 7. Monats. Auf den Gläschen im Supermarkt schreit dir allerdings entgegen „ab dem 4. Monat“ – und eine aktuelle Studie legte kürzlich sogar nahe, dass Babys, die schon ab dem 4. Monat Beikost bekommen, besser schlafen. Dazu hörst du Warnungen von sich leerenden Nährstoffspeichern beim Baby oder Empfehlungen zu rechtzeitiger Allergieprophylaxe durch Beikost – und du fühlst dich womöglich völlig verunsichert. Was ist denn nun der richtige Zeitpunkt für den Beikoststart?

Lass dich nicht verrückt machen!

Ab wann Beikost beginnen: Was sagen die Ernährungsempfehlungen?

Zum Glück gibt es die WHO, die all das wieder in die richtige Perspektive rückt. Ihre Empfehlung zur Beikosteinführung ist so deutlich wie unumstößlich: In den ersten sechs Monaten sollten Babys nichts bekommen außer Muttermilch. Kein Wasser, keinen Tee, keine künstliche Säuglingsnahrung (außer es gibt medizinische Gründe dafür) – und schon gar keine Beikost! Und auch nach dem 6. Monat ist Muttermilch parallel zur ersten Beikost weiterhin die Hauptnahrung für dein Baby. Auch die ESPGHAN-Experten (European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) empfehlen ausschließliches oder überwiegendes Stillen in den ersten sechs Monaten.

Beikoststart: Gründe, warum du so lange wie möglich auf Muttermilch setzen solltest

Die WHO empfiehlt Stillen bis Ende des 2. Lebensjahres und sogar idarüber hinaus (zusätzlich zur Beikost). Und dafür gibt es gute Gründe:

1) Mit deiner Muttermilch bekommt dein Baby immer genau das, was es für seine Entwicklung braucht.

Egal, ob dein Kind zwei Wochen oder fast sechs Monate alt ist – die Zusammensetzung der Muttermilch ist so einzigartig, die Nährstoffe können weder künstliche Säuglingsnahrung noch püriertes Gemüse ersetzen. Muttermilch ernährt dein Baby mit genau der richtigen Mischung aus Eiweißen, Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen, Eisen und Mineralien und versorgt es zusätzlich mit unzähligen Wachstumsfaktoren, Immunglobulinen (Antikörpern!) und sogar Stammzellen. Ihre Zusammensetzung passt sich dabei stetig den Bedürfnissen deines Babys an. „Dass die Speicher bestimmter Nährstoffe wie zum Beispiel Eisen nach den ersten Monaten angeblich erschöpft sind, ist wissenschaftlich nicht erwiesen.“, sagt Dr. Daniela Much, Ernährungswissenschaftlerin und National Scientific Manager bei Medela. „Das ist kein Argument für eine frühe Beikosteinführung. Im Gegenteil: Die hohen Leberspeicher des Babys und das sehr gut bioverfügbare Eisen aus der Muttermilch reichen, um ein optimales Wachstum des Kindes bis zum 6. Lebensmonat zu fördern.“ Dazu kommt: Der Körper der Mutter erkennt beim Stillen unter anderem durch den Speichel, was das Baby gerade braucht. Wenn es zum Beispiel krank ist, werden automatisch mehr Antikörper gebildet und mit der Muttermilch weitergegeben. Muttermilch ist so viel mehr als nur Nahrung! Deshalb kannst du dir mit dem Beikoststart ruhig Zeit lassen.

2) Der Darm deines Babys und auch seine Mundmotorik sind in den ersten Monaten meistens noch voll auf das Stillen an der Brust ausgerichtet.

Schon die erste Milch, die dein Baby bekommt, Kolostrum, enthält wichtige Stoffe, die den Darm deines Babys schützen und seine Entwicklung unterstützen. „Die Verdauung fester Nahrung erfordert einen besonders reifen Darm und nicht alle dafür nötigen Enzyme sind mit vier Monaten schon entwickelt. Wenn der Beikoststart zu früh stattfindet, kann es deshalb sein, dass das Baby häufiger gastrointestinale Infekte bekommt“, warnt Dr. Daniela Much. Dazu kommt: So ein Löffelchen Brei muss auch erstmal in den Magen wandern können. „Um feste Nahrung schlucken zu können, muss das Baby seine Zunge anders bewegen, als beim Saugen an der Brust. Diese Entwicklung dauert und ist bei jedem Baby auch ganz individuell“, weiß Dr. Daniela Much. So erleben Mütter, die früh mit Beikost beginnen, immer wieder, dass ihr Baby den Löffel mit Brei mit der Zunge wieder zurückschiebt. Das schafft Frust auf beiden Seiten und am Ende hat das Baby doch nichts gegessen. „Das Baby signalisiert den Eltern, sobald es bereit für die Einführung von Beikost ist.“, sagt Dr. Daniela Much. „Das Baby wird zunehmend Neugier an der Nahrung der Familienmitglieder zeigen. Der Zungenstoßreflex, mit dem das Kind die feste Nahrung wieder herausbefördert, geht verloren“. Eine schwedische Studie stellt bereits 2007 fest: Je früher der Beikoststart stattfindet, desto länger dauert die Einführung. Und: Um bequem essen und schlucken zu können, sollte dein Baby mit minimaler Unterstützung im unteren Rücken aufrecht sitzen können und auch das lernen die meisten Babys frühestens mit sechs Monaten, oft sogar noch etwas später.

3) Babyschlaf hängt von vielen Faktoren ab. Die wenigsten Babys wachen nur auf, wenn sie Hunger haben.

Trost und Nähe ist ein ganz wesentlicher Bestandteil einer Stillmahlzeit. Wenn dein Baby nachts aufwacht, sind deine kuschelige Umarmung und deine Muttermilch seine besten Einschlafhilfen. Und auch wenn dein Baby schon älter ist und längst Beikost isst, wird es noch oft nachts aufwachen. „Durchschlafen ist ein Reifeprozess, der nichts damit zu hat, was und wieviel ein Kind gegessen hat“, so Dr. Daniela Much.

Wann Beikost einführen? So erkennst du, wann dein Baby für den Beikoststart bereit ist

Stress dich nicht zu sehr bei der Entscheidung, an welchem Tag genau du mit der Beikost beginnen möchtest. Dein Baby ist in den ersten sechs Monaten mit deiner Muttermilch bestens versorgt. Hör beim Thema Beikoststart auf dein Gefühl und achte auf die Zeichen, die dir dein Baby gibt:

  • Es folgt deinem eigenen Löffel neugierig mit den Augen, wenn ihr gemeinsam zu Abend esst
  • Es interessiert sich für euer Essen und streckt die Hand danach aus
  • Es steckt sich eigenständig Dinge in den Mund
  • Es öffnet den Mund, wenn der Löffel kommt
  • Es schiebt den Brei nicht mehr sofort mit der Zunge aus dem Mund

Dann ist dein Baby vermutlich bereit, langsam feste Kost zu probieren. Mit unserem Beikostplan kannst du dein Baby langsam an die feste Nahrung gewöhnen. Falls du dein Baby übrigens besonders sanft an feste Kost heranführen und es selbst bestimmen lassen möchtest, wann und wie viel es essen möchte, könntest du es auch mit „baby-led weaning“ probieren. Bei dieser komplett „breifreien“ Variante darf dein Baby einfach von allem probieren, wenn es bereit dazu ist, und genauso lustvoll an einem Paprikastreifen lutschen, wie an einer dicken Nudel. Zusätzlich zu deiner gesunden Muttermilch!


Weitere Informationen zum Stillen über 6 Monate und zum Beikoststart findest du auch in unserem neuen E-Book! Schau doch mal rein!

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IBCLC-Stillberaterin und Kinderkrankenschwester Jacqueline Stich

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