Babys erstes Jahr

Alles über die U-Untersuchungen – auf einen Blick

Lesedauer: 5 Min.

Ab der Geburt deines Babys stehen regelmäßig Kindervorsorge-Untersuchungen an: sogenannte U-Untersuchungen. Sie dienen der Gesundheitsvorsorge und Früherkennung von Krankheiten, die die normale körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes gefährden könnten.

Bis zum Ende des sechsten Lebensjahres sind sie Pflichtleistungen der Krankenkassen. Ebenso sind in vielen Bundesländern U-Untersuchungen verbindliche Termine. Du solltest sie rechtzeitig wahrnehmen, um sicher zu sein, dass sich dein Kind altersentsprechend entwickelt.

Darum ist das „Gelbe Heft“ so wichtig

Es gehört zum festen Inventar aller Eltern: das gelbe U-Heft. Direkt nach der Geburt wird dein Baby von einem Kinderarzt gründlich untersucht. Die Ergebnisse werden in das sogenannte U-Heft eingetragen. Bei der Entlassung von dir und deinem Kind aus dem Krankenhaus bekommst du es ausgehändigt. Ganz wichtig: Sorgfältig aufbewahren! Hier dokumentiert der Kinder- und Jugendarzt die Ergebnisse jeder U-Untersuchung. Auf diese Weise wird von Geburt an die körperliche und geistige Entwicklung deines Kindes kontrolliert.

Die neu gefasste Kinderrichtlinie

Am 1. September 2016 ist die neu gefasste Kinderrichtlinie in Kraft getreten. Alle Eltern von Neugeborenen und kleinen Kindern bis zur U6 bekommen ein neues und verändertes Kinderuntersuchungsheft; ab der U7 werden zusätzliche Seiten eingelegt. Infolge der neuen Kinderrichtlinie werden die zehn U-Untersuchungen bis zum Schulalter neu gefasst und teilweise erweitert.

Mukoviszidose-Screening

Sie ist die häufigste tödlich verlaufende angeborene Stoffwechselkrankheit: Bei Mukoviszidose-Kranken sind die Sekrete vieler Körperflüssigkeiten zähflüssiger als bei gesunden Menschen. Meist ist die Lunge besonders schwer betroffen, denn der Schleim lässt sich nur schwer abhusten. Alle Neugeborenen werden künftig mit Hilfe eines Screenings untersucht, um gleich nach der Geburt festzustellen, ob sie die schwere Krankheit geerbt haben.

Augen

Grauer Star, eine Trübung der Augenlinse oder gar ein bösartiger Tumor der Netzhaut – diese und noch mehr Krankheiten sollen in Zukunft besser und vor allem früher erkannt werden. Deshalb werden die Augen von Anfang an genauer untersucht.

Bessere Kinderzähne durch gründliche Vorsorge

Immer mehr Kinder haben heute ein gesundes Gebiss. Laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie ist Karies bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Eine positive Entwicklung, die sich möglichst weiter fortsetzen soll, in dem der Fokus künftig noch mehr auf die zahnärztlichen Untersuchungen der Kinder gelegt wird. Eltern werden noch stärker über das frühzeitige Vorsorgeangebot mit den regelmäßigen Terminen in der zahnärztlichen Praxis informiert. Durch Früherkennungsuntersuchungen können Ärzte auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten frühzeitig reagieren oder diese rechtzeitig vorbeugen. Das soll deinem Kind nicht nur schmerzhafte Erfahrungen ersparen. Auch für das weitere Leben erhöht sich die Chance, dass die Zähne gesund bleiben.

Entwicklung

Die neurologischen Untersuchungen des Entwicklungsstands des Kindes in Bezug auf Sprache, Fein- und Grobmotorik werden verbessert.

Blick auf die Interaktion zwischen Eltern und Kind

Nicht nur die Vorsorgeuntersuchungen wurden weiter gefasst. Künftig soll der Kinderarzt auch die Interaktion zwischen Eltern und Kind genauer beobachten. Verhalten sich die Eltern beispielsweise distanziert gegenüber dem Kind oder ist der Ton schroff, kann der Arzt ein Gespräch oder Hilfe anbieten.

Beratung

Dein Kind isst kein Gemüse? Du weißt nicht, welche Impfungen sinnvoll sind? Oder fragst dich, wie lange du dein Baby am besten stillen sollst? Dann kann dir der Besuch des Kinderarztes weiterhelfen. Egal, ob es ums Stillen, die Ernährung oder das Impfen geht – Kinder- und Jugendärzte bieten je nach Alter des Kindes Beratung zu den verschiedensten Themen an. Auch wenn dich etwas belastet oder du dir Sorgen um dein Kind machst, kannst du das bei den U-Untersuchungen ansprechen. Du bekommst dort auch Informationen  über Unterstützungsangebote in deiner Nähe wie z. B. Eltern-Kind-Hilfen.

Kurzbeschreibung der Themen jeder U-Untersuchung

Damit du schon vorher weißt, was dich und dein Kind bei der jeweiligen U-Untersuchung erwartet, werden die Themen jeder Vorsorgeuntersuchung für die Eltern kurz im Heft beschrieben. Zu jedem Termin gibt es auch ein Bemerkungsfeld. Dort notiert dein Kinder- und Jugendarzt individuelle ärztliche Empfehlungen, z. B. zur Förderung der kindlichen Entwicklung.

Herausnehmbare Karte

Der Besuch einer U-Untersuchung wird in einer eigenen herausnehmbaren Teilnahmekarte schriftlich bestätigt. Bei Bedarf kannst du diese später z. B. in der Kita vorlegen.

U-Untersuchungen im Überblick:

U1 (1.–4. Lebensstunde)

Direkt nach der Geburt wird über ein standardisiertes Punkteschema, den Apgar-Score, der klinische Zustand deines Babys erfasst. Es wird gemessen, gewogen und die kindliche Reife beurteilt.

Erkennen von lebensbedrohlichen Komplikationen und sofort behandlungsbedürftigen Erkrankungen und Fehlbildungen, Schwangerschafts-, Geburts- und Familienanamnese, Kontrolle von Atmung, Herzschlag, Hautfarbe, Reifezeichen.

Erweitertes Neugeborenen-Screening (2.-3. Lebenstag)

Früherkennung von angeborenen Stoffwechseldefekten und endokrinen Störungen (z.B. auch auf Mukoviszidose).

Neugeborenen Hörscreening bis zum 3. Lebenstag

Hörscreening zur Erkennung beidseitiger Hörstörungen ab einem Hörverlust von 35 Dezibel

U2 (3.–10. Lebenstag)

Die U2 umfasst eine Beurteilung der Organe, von Haut und Geschlechtsteilen, ein Blut- und ein Hörscreening. Du selbst wirst über Rachitis- und Kariesprophylaxe sowie Maßnahmen zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods aufgeklärt.

Erkennen von angeborenen Erkrankungen und wesentlichen Gesundheitsrisiken, Vermeidung von Komplikationen: Anamnese und eingehende Untersuchung von Organen, Sinnesorganen und Reflexen.

U3 (4.– 6. Lebenswoche)

Meist der erste Vorsorgetermin bei einem Kinderarzt. Zur U3 gehört die Prüfung der Körperfunktionen, ein Hörtest und ein Neugeborenen-Hüftscreening. Prüfung der altersgemäßen Entwicklung der Reflexe, der Motorik, des Gewichts und der Reaktionen, Untersuchung der Organe, Abfrage des Trink-, Verdauungs- und Schlafverhaltens.

U4 (3.– 4. Lebensmonat)

Bei den Untersuchungen U4 bis U7 stehen die zeitgerechte körperliche Entwicklung deines Kindes im Fokus. In diesem Rahmen wird auch über Impfungen und die richtigen Zeitfenster gesprochen.

Untersuchung der altersgerechten Entwicklung und Beweglichkeit des Säuglings, der Organe, Sinnesorgane, Geschlechtsorgane und der Haut, Untersuchung von Wachstum, Motorik und Nervensystem.

U5 (6.—7. Lebensmonat)

Untersuchung der altersgerechten Entwicklung und Beweglichkeit, der Organe, Sinnesorgane, Geschlechtsorgane und der Haut, Untersuchung von Wachstum, Motorik und Nervensystem.

U6 (10.–12. Lebensmonat)

Untersuchung der altersgemäßen Entwicklung, der Organe, Sinnesorgane (insb. der Augen), Kontrolle des Bewegungsapparates, der Motorik, der Sprache und der Interaktion.

U7 (21.–24. Lebensmonat)

Untersuchung der altersgemäßen Entwicklung, Erkennen von Sehstörungen, Test der sprachlichen Entwicklung, Feinmotorik und Körperbeherrschung

U7a (34.– 36. Lebensmonat)

Sie umfasst die Prüfung auf allergische Krankheiten, einen Check von Sprache, Zähnen, Mund und Kiefer sowie von Sozialisations- und Verhaltensstörungen. Schwerpunkt auf altersgerechter Sprachentwicklung, frühzeitige Erkennung von Sehstörungen.

U8 (46.– 48. Lebensmonat)

Schwerpunkt dieses Check-ups ist die Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit. Hier werden Reflexe und Muskelkraft geprüft, zudem Aussprache und Zahnstatus.

Intensive Prüfung der Entwicklung von Sprache, Aussprache und Verhalten, Untersuchung von Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit, Reflexen, Muskelkraft und Zahnstatus.

U9 (60.– 64. Lebensmonat)

Die letzte Vorsorgeuntersuchung vor der Einschulung ist besonders wichtig. Hier werden Grob- und Feinmotorik und das Sprachverständnis sowie Hör- und Sehvermögen deines Kindes getestet.

Prüfung der Motorik, des Hör- und Sehvermögens und der Sprachentwicklung, um eventuelle Krankheiten und Fehlentwicklungen vor dem Schuleintritt zu erkennen und gegenzuwirken.

J1 13. – 14. Lebensjahr

Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustands und der Wachstumsentwicklung, der Organe und des Skelettsystems, Erhebung des Impfstatus, Untersuchung des Stands der Pubertätsentwicklung, der seelischen Entwicklung und des Auftretens von psychischen Auffälligkeiten, von Schulleistungsproblemen und gesundheitsgefährdendem Verhalten (Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum), Beratung auf Grundlage des individuellen Risikoprofils des Jugendlichen zu Möglichkeiten und Hilfen zur Vermeidung gesundheitsschädigender Verhaltensweisen und Tipps für eine gesunde Lebensführung.

30. – 72. Lebensmonat

Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten u. a. mit eingehender Untersuchung und Inspektion der Mundhöhle, Einschätzung des Kariesrisikos, Beratung auch der Erziehungsberechtigten zu Mundhygiene und Ernährung, Motivation zur Prophylaxe und Empfehlung geeigneter Fluoridierungsmittel.

6. – 18. Lebensjahr

Individualprophylaktische Leistungen u. a. mit Erhebung des Mundhygienestatus, Aufklärung des Versicherten und ggf. dessen Erziehungsberechtigten über Krankheitsursachen sowie deren Vermeidung, Motivation und Remotivation, lokale Fluoridierung und Versiegelung kariesfreier Fissuren und Grübchen von Backenzähnen. Ab dem zwölften Lebensjahr werden die halbjährlichen Untersuchungen in ein Bonusheft eingetragen; diese Eintragungen sollen eine regelmäßige Zahnpflege nachweisen und erhöhen die Festzuschüsse, wenn später Zahnersatz erforderlich werden sollte.

U10 (7.– 8. Lebensjahr) und U11 (9.– 10. Lebensjahr)

Diese sind freiwillige Vorsorgetermine. Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Alle Informationen findet ihr auch auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums.

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