Babys erstes Jahr

Warum du deinem Mutterinstinkt vertrauen darfst

Lesedauer: 4 Min.

Schreien lassen, Schnuller und bloß kein Familienbett: Unzählige Ratgeber wollen uns erklären, wie wir unsere Kinder am besten erziehen. Dabei müssten wir nur lernen, unserem gesunden Mutterinstinkt zu vertrauen. Ein Plädoyer für intuitive Erziehung

Ein Kind zu bekommen ist wohl eines der größten Abenteuer, auf das du dich einlassen kannst. Und ist das Baby erst mal da, passiert ständig etwas Unerwartetes. Neue Situationen tun sich auf, du musst dich darauf einstellen und oft blitzschnell reagieren. Klar, dass du dich da manchmal überfordert fühlst. Verstärkt wird dieses Gefühl noch durch die unzähligen Ratgeber, die dir erklären wollen, wie du dein Kind am besten erziehen solltest und was dein Kind wirklich braucht. Stop! Lass dich nicht verrückt machen! Du brauchst keine zehn Erziehungsforscher, die dir dein Handeln vorsagen. Du brauchst vor allem Vertrauen – in deinen ganz natürlichen Mutterinstinkt, dein Bauchgefühl. Aber wie finden wir den Weg zurück zu einer intuitiven Erziehung?

Auf der Suche nach der Intuition

Intuition – das heißt im Grunde nichts anderes, als zu wissen, wann man einem Kind das gibt, was es braucht – und wann man es vielleicht einfach mal quengeln lassen sollte. Dafür ist es aber wichtig, dass wir Mütter selbst in uns ruhen – und ganz ehrlich, wer kann das in unserer hektischen Welt mit zusätzlichem Schlafentzug schon immer von sich behaupten? Hast du gerade dein erstes Baby bekommen, bist du wahrscheinlich besonders unsicher und weißt nicht, ob du deinem Bauchgefühl auch trauen kannst. Der Klassiker: Dein Baby ist satt, frisch gewickelt und trotzdem schreit es. Ist das Baby noch sehr klein, wirst du es natürlich sofort auf den Arm nehmen. Das ist auch völlig richtig. Ist dein Baby aber vielleicht schon fast zwölf Monate alt und dein Bauchgefühl sagt dir, dass dein kleiner Schatz gerade absolut keinen Grund zum Quengeln hat, dann darfst du ihn ruhig auch mal einen kleinen Moment warten lassen. Geht der Kreislauf dann nämlich weiter – Kind schreit, Kind bekommt, was es will – kann das auch negative Konsequenzen haben: Ohne erlernte Frustrationstoleranz, würden wir keinen Arbeitstag, keinen Verkehrsstau und, ja, auch keinen Trotzanfall eines Zweijährigen aushalten, ohne auszurasten. Insofern sagt dir dein Bauchgefühl vermutlich genau das Richtige, wenn du bei deinem älteren Baby nicht sofort springst, wenn es schreiend etwas einfordert. Wenn da nicht noch ein anderes „Bauchgefühl“ wäre: das grummelnde schlechte Gewissen.

Schluss mit schlechtem Gewissen!

Geht es um die lieben Kleinen, neigen vor allem die besonders engagierten Mütter dazu, sich den Kopf zu zerbrechen und machen sich Vorwürfe: Warum musste ich eigentlich schon wieder laut herumschimpfen, obwohl ich doch so geduldig sein wollte? Irgendwann kommt man dann zwangsläufig an den Punkt, an den man sich auch fragt: Bin ich eine gute Mutter? Und überhaupt: Sind wir gute Eltern? Die eigenen Ansprüche an die Erziehung sind in solchen Momenten so laut, das wir unsere Intuition plötzlich in Frage stellen. Warum eigentlich? Wirft man einen Blick ins Familienleben der Tiere, sieht man ganz unterschiedliche Strategien, wie die Eltern mit ihrem Nachwuchs umgehen. Als Paar, alleinerziehend oder mit der ganzen Sippe. Und jedes Tier hat seine eigene Strategie, seinen Nachwuchs möglichst gut an den Lebensraum anzupassen. Das hat einen guten Grund: Nur so ist das Überleben gesichert, die Gene können weitergegeben werden. Das ist der Unterschied zu uns Menschen: Den Tieren geht es ums reine Überleben. Wir Menschen haben hingegen ein bestimmtes Bild davon, wie unsere Kinder und ihr Leben sein sollten. Dennoch können wir viel von der „tierischen Erziehung“ lernen, denn durch das Verhalten der Tiere verstehen wir unsere biologische Basis.

Was wir von Tieren lernen können

Es gibt Situationen, da kann man sich noch so fest vornehmen, ruhig und gelassen zu bleiben, es kommt der Punkt, da steht man doch kurz davor zu explodieren. Die Trotzphase ist so eine Herausforderung im Leben aller Eltern: Plötzlich überkommt das Kind ein Tobsuchtsanfall, es schmeißt sich auf den Boden und schreit wie am Spieß. Ein Blick ins Tierreich zeigt, wie man so eine Situation am besten meistert: Präriehund-Mütter beispielsweise lassen sich in keiner Weise von einem tobenden Klein-Präriehund beeindrucken – selbst dann nicht, wenn er sich ihr in seiner Rage ans Bein hängt. Sie hat verstanden, dass jetzt nur eins den Kleinen zur Ruhe bringt: selbst die Ruhe zu bewahren. Interessant ist auch, wie geduldig Tiere im Allgemeinen mit ihrem Nachwuchs umgehen. Während wir uns in Stressituationen plötzlich dabei ertappen, unsere Kleinen anzuschreien oder zu drohen, obwohl wir das nie NIE tun wollten, steht der Gorilla-Papa im Zweifel einfach auf und geht, wenn es ihm zu bunt wird. Abstand schaffen ist manchmal keine schlechte Strategie: Sind deine Kinder schon etwas größer, verlässt du am besten den Raum, um nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich Abstand zu gewinnen. Und, so banal es klingt, die erste und beste Strategie in solchen Situationen ist es, durchzuatmen und bis zehn zu zählen. Das hilft, den Puls wieder in den Normalbereich abzusenken und sich wieder aus der emotional belastenden Situation zu befreien. Denn dann kannst du auch deine innere Stimme, dein Bauchgefühl wieder besser wahrnehmen, um den nächsten Schritt bewusst zu machen. Ganz instinktiv.

Fehler sind erlaubt

Vorleben und Nachahmen – dadurch lernen Kinder am meisten. Nicht durch abstrakte Gespräche oder ständige verbale Zurechtweisung. Deshalb solltest du auch keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen, nicht streng genug zu sein oder die Kinder zu verwöhnen. Intuitive Erziehung ist kein Konzept, sondern passt sich immer der Situation an. Jedes Kind ist anders, entwickelt sich anders, hat unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse. Das kann dir kein Ratgeber der Welt erklären. Du, als Mutter, kennst dein Kind am besten. Du weißt, wie du es nehmen musst, was du ihm zumuten kannst und wo du Grenzen setzen musst. Trau dich – und vertrau dir selbst!

Hand aufs Herz: Wie viele Ratgeber über Babys und richtige Erziehung hast du schon gelesen? Wie viel davon hast du umgesetzt? Wann kommst du an deine Grenzen? Schreib uns unter kundenservice@medela.de oder auf Facebook.

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