Muttermilch

Muttermilchbanken: Die lebensspendene Reserve

Lesedauer: 5 Min.

Muttermilch ist ein Schatz und genauso wird sie auch gehütet: Deutschlandweit gibt es 21 Muttermilchbanken und bald sollen es noch mehr werden! Aber wer bekommt die wertvolle Spendermilch? Und wer kann spenden? Wir haben die Antworten.

Wer bekommt Milch aus Muttermilchbanken?

Die kleinsten und zartesten der Kleinen: Frühchen. Das liegt daran, dass deren Mütter in den ersten Lebenstagen oft noch nicht ausreichend Muttermilch produzieren. Gleichzeitig ist für die frisch geborenen Winzlinge diese Muttermilch aber unheimlich wichtig: „Neben vielen wertvollen Nährstoffen enthält die Muttermilch auch Substanzen, die die Körperabwehr stärken und die Reifung der Darmwand beschleunigen“, sagt  Prof. Andreas Flemmer, Leiter der Neonatologie und der Frauenmilch-Spenderbank am Perinatalzentrum München-Großhadern. Untersuchungen zeigten, dass Frühchen die biologisch-natürliche Milch besser vertragen als künstliche Ersatznahrung und auch seltener an lebensbedrohlichen Darmentzündungen und anderen Infekten erkranken. „Ziel ist, die aller-kleinsten Kinder gleich vom ersten Lebenstag an mit möglichst roher Frauenmilch zu versorgen“, sagt Flemmer. „Die Frühgeborenen werden solange mit gespendeter Milch versorgt, bis die Mutter selbst Milch produziert.“

Wer kann Muttermilch spenden?

Mittlerweile gibt es 21 Muttermilchbanken in Deutschland und eine in Österreich. Wenn du spenden willst, wendest du dich am besten an eine Klinik mit eigener Muttermilchbank in deiner Nähe. Generell lässt sich sagen: Grundvoraussetzung ist, dass du gesund bist und eine Mindestmenge von 500 Millilitern Milch pro Tag produzierst. Um sicherzugehen, dass deine Milch einwandfrei ist, wirst du zunächst eingehend untersucht: In der Klinik wird dir zum Beispiel Blut abgenommen, um es auf Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis B/C und Zytomegalie zu testen. Ganz klar: Solltest du Drogen konsumieren, Alkohol trinken, rauchen oder Medikamente einnehmen, kommst du als Spenderin nicht infrage. Ansonsten hat jede Klinik ihre eigenen Voraussetzungen. Um beispielsweise Spenderin bei der Frauenmilchbank in München-Großhadern werden zu können, musst du in der Regel dein eigenes Baby auch im Perinatalzentrum geboren haben, oder bereit sein, die Milch vor Ort im Klinikum zu spenden.

Wie wird die Spendermilch gesammelt?

Abgepumpt wird in der Klinik mit einer elektrischen Pumpe. Da du gleich doppelseitig abpumpst, geht das recht zügig und dauert nicht länger als zehn bis fünfzehn Minuten. Während dieser Zeit ist auch immer eine Laktationsberaterin der Frauenmilchbank anwesend, die darauf achtet, dass alles absolut hygienisch abläuft. Die abgepumpte Milch wird direkt in einer sterilen Einmalflasche gesammelt.

Wird die Spendermilch im Labor untersucht?

Ja! Aus jedem Milchfläschchen werden kleine Proben entnommen, die im Labor bakteriologisch untersucht werden. Nach der Probeentnahme wird die Milch schockgefroren und in einem speziellen Gefrierschrank bei Minus 20 Grad gelagert. Auf diese Weise kann die Spendermilch bis zu sechs Monate aufbewahrt werden. Die Milch, die ein Baby bekommt, stammt möglichst nur von einer Frau. Zu Verwechslungen kann es dabei nicht kommen: Spenderfrau, Zeitpunkt der Gewinnung und Laborbefunde – all das kann sofort identifiziert werden, denn natürlich ist jedes Fläschchen detailliert etikettiert.

Muss die Spendermilch pasteurisiert werden?

Das ist nur in seltenen Fällen notwendig. „Ziel ist, das Empfängerkind möglichst mit roher Spendermilch zu ernähren“, sagt Prof. Flemmer. „Diese ist besonders wertvoll, weil sie über alle optimalen nutritiven und immunologischen Eigenschaften verfügt, von denen Früh- und Frühstgeborene in besonderem Maße profitieren. Nur in Ausnahmefällen muss Spendermilch derzeit pasteurisiert werden, also 30 Minuten lang bei mindestens 62,5 Grad erhitzt. „Die Pasteurisierung garantiert zwar, dass Bakterien, Pilze und Viren abgetötet werden“, erklärt der Experte. „Sie führt aber auch zu einem Verlust an biologisch wirksamen Bestandteilen der Muttermilch wie Vitamine, Enzyme oder Antikörper.“

Wie bekommt das Baby die Spendermilch?

Saugen, Schlucken, Atmen – das bereitet Frühchen sehr häufig noch Probleme. Deshalb bekommen sie die gespendete Frauenmilch auch meist über eine Magensonde. Der betreuende Arzt legt die Menge der Milchportion fest und stimmt sie ganz individuell auf die Bedürfnisse des Frühchens ab. Meist braucht es übrigens nur in den ersten fünf bis zehn Tagen nach der Geburt die Spendermilch. Dann hat die Mutter im Idealfall selbst genügend Milch, um es zu ernähren.

 

Wo in Deutschland und Österreich gibt es Muttermilchbanken?

Deutschland

Augsburg – Josefinum, Klinik für Kinder und Jugendliche, Kapellenstr. 30, 86154 Augsburg. Kontakt:Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Völkl. Tel: 0821/2412200. Mail:  voelkl.thomas@josefinum.de

Berlin – Charité Universitätsmedizin. Augustenburger Platz 1, 13353, Berlin, Germany. Kontakt: Dr. Monika Berns. Tel.: 030/450 566122. Mail: monika.berns@charite.de

Chemnitz – Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Chemnitz GmbH. Muttermilchannahme. Flemmingstr. 4, 09116 Chemnitz
Tel.: 0371/33 32 42 23

Cottbus – Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus. Milchküche/Frauenmilchsammelstelle. Thiemstr. 111, 03048 Cottbus. Tel.: 0355/462797

Dortmund – Klinikum Dortmund. Perinatalzentrum. Beurhausstraße 40, 44137, Dortmund. Tel.: 231 / 953 21 700

Dresden – Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde. Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus. Milchküche. Fetscherstraße 74, 01307, Dresden. Tel.: 0351/ 4582074. Kontakt: elke.unger@uniklinikum-dresden.de

Eisenach – Klinikum St. Georg. Mühlhäuser Str. 94, 99817, Eisenach. Tel.: 03691/698 1080. Mail: tam@stgeorgklinikum.de

Erfurt – Helios Klinikum, Nordhäuser Str. 74, 99089 Erfurt, Tel: 0361/7810

Frankfurt/Oder – Klinikum Frankfurt/Oder. Müllroser Chaussee 7, 15236, Frankfurt an der Oder. Tel.: 0335/548 2125. Mail: kinderklinik@klinikumffo.de

Freiburg – Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Freiburg. Mathildenstraße 1, 79106, Freiburg. Tel.: 0761-270-43000. Mail: daniel.klotz@uniklinik-freiburg.de

Görlitz – Kinderklinik im Klinikum Görlitz. Girbigsdorfer Straße 1-3, 02828, Görlitz. Tel.: 03581/ 371457. Mail: fischer.heike@klinikum-goerlitz.de

Greifswald – Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin. Universitätsmedizin Greifswald. Frauenmilchbank. Bugenhagenstraße 4, 17489 Greifswald. Tel.: 03834/866366. Mail: frauenmilchbank@uni-greifswald.de

Halle – Universitätsklinik Halle (Saale). Ernst-Grube-Straße 40, 06120, Halle (Saale). Kontakt: Franziska Kaufmann. Tel.: 0345/557 2257. franziska.kaufmann@uk-halle.de

Hamburg – Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Perinatalzentrum. Martinistr. 52, 20251 Hamburg. Tel.: 040/40 7410-20411

Hannover – Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover, Tel: 0511/81150

Jena – Frauenmilchbank Jena. Kochstraße 2. 07749 Jena. Tel.: 03641/ 938388.

Leipzig – Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche. Frauenmilchbank Liebigstraße 20A, 04103, Leipzig. Kontakt: Corinna Gebauer. Tel.: 341 9726354 (Milchbank). Rel.: 341 9723971 (Corinna Gebauer). Mail: Frauenmilchbank@medizin.uni-leipzig.de

Magdeburg – Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, 39106 Magdeburg. Tel.: 0 391/6717499. Mail: ralf.boettger@med.ovgu.de

München – Klinikum der Universität München. Perinatalzentrum Großhadern. Marchioninistraße 15, 81377, München. Tel.: 089/70952802. Mail: andreas.schulze@med.uni-muenchen.de

Neubrandenburg – Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum,Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Allendestraße 30, 17036, Neubrandenburg. Tel.: 0395/ 7752958. Mail: gyn-sb@dbknb.de

Passau – Kinderklinik Dritter Orden Passau Bischof-Altmann-Straße 94032 Passau. Kontkat: Prof. Dr. med. Matthias Keller. Tel: 0851/ 7205151. Mail: Matthias.Keller@kinderklinik-passau.de

Potsdam – Klinikum „Ernst von Bergmann“, Klinik für Kinder- du Jugendmedizin. Frauenmilchbank. Charlottenstraße 72, 14467, Potsdam. Tel.: 0331/ 2415927/28.

Vechta – St. Marienhospital, Marienstraße 6-8, 49377 Vechta, Tel. (Zentrale): 0 44 41/ 99 -0

Wolfsburg – Klinikum Wolfsburg, Sauerbruchstr. 7, 38440 Wolfsburg, Tel (Zentrale): 05361 80-0

Eine weitere Milchbank in Frankfurt am Main befindet sich gerade im Aufbau.

Österreich

Wien – Frauenmilchbank Wien. Kontakt: Bianca Weidinger & Dagmar Reis, Tel: (+43 1) 476 15 5995

Warum gibt es nicht mehr Milchbanken?

Noch 1959 gab es 86 (!) Milchbanken in Deutschland. Ein wertvolles System, das nach und nach verloren ging: Bis 1989 hatten alle Milchbanken in Westdeutschland geschlossen, nur in Ostdeutschland wurden die Einrichtungen weiter gepflegt. Heute haben weniger als zwei Dutzend von über 200 Perinatalzentren in Deutschland Zugang zu gespendeter Muttermilch aus einer Frauenmilchbank, der Bedarf liegt weit über dem Angebot. Am 2. Mai 2018 gründeten deshalb zahlreiche Leiter neonatologischer Abteilungen und Frauenmilchbanken, Neonatologen, Kinderärzte, Pflegepersonal, Still- und Laktationsberater und Wissenschaftler aus allen Teilen Deutschlands eine Initiative, um die Zahl der Frauenmilchbanken zu steigern. Die wichtigsten Ziele der Frauenmilchbank-Initiative (FMBI) : In fünf Jahren soll es kein Bundesland mehr ohne Frauenmilchbank geben, und,  alle Perinatalzentren sollen Zugang zu Milch aus einer Frauenmilchbank haben. Ein Ziel, das  auch Medela als Förderer aus Überzeugung unterstützt!

Unser Experte für diesen Artikel:
Univ. Prof. Dr. med. Andreas W. Flemmer, Leiter Neonatologie
Dr. v. Haunersches Kinderspital am Perinatalzentrum Grosshadern /München

Quellen: European Milk Bank Association (EMBA); Frauenmilchbank-Initiative (FMBI)

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